Detox bei Viva Mayr am Wörthersee

Die luxuriöse Wohlfühlklinik am Wörthersee

Das exklusive Maria Wörth liegt malerisch auf einer Halbinsel am Südufer des Wörthersees. Eine Woche darf ich dort bei Viva Mayr mit nachhaltigem Wohlfühlen verbringen. Freunden, denen ich davon erzählt habe, hatten mich bereits gebrieft: „Die Frauen der Kreml-Führer gehen da ein und aus.“ Eine Promidichte wie in Saint Tropez!“. Verständlich, bei denen sitzt das Geld sicher lockerer. Normalverdiener schreckt sicher schon der Blick auf die Preisliste.

Hocheffiziente Organisation

Sepp, mein Taxifahrer, kennt mein Ziel gut und holt oft Gäste zum Flughafen ab. In der schmucklosen Hotelklinik geht es Schlag auf Schlag. Das geräumige Zimmer wartet mit hübschen Details auf, wie den Ohrensessel mit Fußschemel. Da kann man auch eine mehrwöchige Kur aushalten. Auf dem Tisch steht eine Karaffe mit Kristallen. Die soll ich mit Wasser übergießen und reichlich davon trinken – nur nicht zu den Mahlzeiten. Auf dem Balkon zum See genieße ich erst einmal den Ausblick. Die malerische Halbinsel ist sicherlich einer der schönsten Orte, um ein Hotel oder eine Wohlfühlklinik zu bauen.

Bittersalz und Basenpulver

Beim Gang ins Restaurant merke ich, dass sich nur wenige Gäste zu den Mahlzeiten aufbretzeln. Viele kommen während ihres Aufenthalts aus Bademantel und Schlappen gar nicht heraus. Dass ich als Journalistin einen Bericht darüber machen will, drosselt bei einigen meiner Zufallsbekanntschaften die Gesprächsbereitschaft. Die meisten Gäste schätzen Diskretion. Wer sich die sündteure Fastenkur leisten kann, will unter sich bleiben. Das liegt ganz im Konzept des umtriebigen Finanziers Hannes Androsch. In den 70er jahren war der frühere SPÖ-Politiker Finanzminister und einige Jahre Vizekanzler des Alpenstaats - und damit selbst ein A-Promi. Mit Viva Mayr hat er wohl wieder ein glückliches Händchen gehabt, wenn man sich die gute Auslastung des Hotels und der Anwendungen anschaut.

Und immer wieder kauen

Auch wenn der Blick atemberaubend ist, reagiert mancher Gast anfangs verwirrt auf die servierte Basensuppe, eine klare Brühe mit Spurenelementen, Vitaminen und Mineralien, aber ohne Kalorien. Andere bekommen dazu noch trockene Dinkelfladen oder Reiscracker. „Jeden Bissen 30 bis 50 mal kauen“ sagt Dr. Harald Stossier, der zusammen mit seiner Frau Christine die Klinik aufgebaut hat und leitet.

Entschlackung für Körper und Geist

Doch erst einmal steht Entschlackung auf dem Programm. Spezialanwendungen wie Lymphdrainage oder Entgiftung-Massage sollen dabei helfen. „Heilung durch Schonung und Natur“ lehrt die Viva Mayrs Moderne F.X. Mayr Medizin. Dabei bedeutet falsche Ernährung nicht unbedingt zu viel Fett. Einige Gäste, die ihre Basensuppe in sich hineinlöffeln, sehen deutlich fitter aus als ich. Manchmal sei es der abendliche Salat, belehrt mich der Klinikchef. „Da bilden sich Gase, es gärt und verursacht ein Völlegefühl“. Dann entstaut er mit der ärztlich-manuellen Bauchbehandlung den Darm und verordnet erst mal Dinkelfladen und Basensuppe.

Ratschläge für die häusliche Nacharbeit

Nach einer Woche heißt es Abschied nehmen vom Wörthersee. Christine Stossier gibt mir noch Ratschläge mit auf den Weg. Wer möchte, kann sich im kleinen Shop mit den hauseigenen Vitamin- und Mineralstoff-Präparaten eindecken. Fast drei Kilo habe ich verloren.

Vielleicht liegt’s daran, dass ich auf mein Croissant oder das Glas Wein verzichte, die sonst auf dem Wohlfühl-Programm stehen. Viele Gäste schwärmen daheim von der erfolgreichen Kur, mit der sich prima renommieren lässt und kommen trotz kulinarischer Entbehrungen gern zurück.

Nilgün Burgucu

(c) Magazin Frankfurt, 2017