Unsere Wildnis

Schon früher hat Jaques Perrin die Zuschaer mit seinen spektakulären Naturfilmen fasziniert. Wir erinnern uns noch an "Nomaden der Lüfte", mit denen er vor 15 Jahren drei Jahre lang die alljährliche Wanderschaft von Zugvögeln begleitete. Schon damals zeigten die meisten Aufnahmen die Vögel im Flug, wobei Perrin die Kamera mittels eines Ultraleichtflugzeugs mitführte. Dabei gelang es ihm ganz auf die Faszination der Bilder zu setzen, ohne den Film mit wissenschaftlichen Erklärungen zu überfrachten. Dabei zeichnete er den Weg der Tiere von einem kleinen See in Europa, an dem ein Junge durch die Landschaft streift, und endet ein Jahr später mit dem gleichen Motiv. Auch mit "Unsere Ozeane" acht Jahre später zeigte er dem Zuschauer ein weitgehend unerforschtes Gebiet unseres Planeten: die Weltmeere und ihre Bewohner. Auch da zeigt er wieder spektakuläre Bilder, wenn er eine tosende See bei Sturm vor der bretonischen Küste zeigt mit einem ohrenbetäubenden Lärm, der sofort weicht, als er mit der Kamera unter die Wasseroberfläche eintaucht. Er zeigt einen Leguan bei der Futtersuche, Delfine bei der Jagd und einen Schwarm Seevögel während der Attacke auf einen Fischschwarm. Der Film zeigte nicht nur die schönen Seiten, sondern auch seine Gefahren für die Tiere, wenn sich Schildkröten, Delfine und andere Meeressäuger in den kilometerlangen Fangnetzen verfangen, die Fischtrawler ausgefahren haben. Jetzt hat Jacques Perrin erneut einen spektakulären Naturfilm gedreht und bringt erneut mit großartigen Bildern die Wildnis nahe.

Diesmal ist es die eigentlich bekannte Wildnis, unweit der Städte. 80 000 Jahre dauerte in Europa der Winter, die Eiszeit. In dieser Zeit besiedelten die ersten Menschen den Kontinent und jagten große Tiere wie die Bisons, die im Osten Polens noch immer wild leben. Als die letzte Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren endete, kehrten auch die Jahreszeiten nach Europa zurück. Nicht länger herrschte andauernder Winter. Frühling, Sommer, Herbst hielten wieder Einzug und ausgedehnte Wälder bedeckten den ganzen Kontinent - bevölkert von zahllosen Tier- und Pflanzenarten. In faszinierenden Bildern zeigt der Fillm, wie sich die Natur unaufhörlich unter dem menschlichen Einfluss wandelt. Aus der Perspektive von Flora und Fauna wird uns die Schönheit und Harmonie der ursprünglichen Wildnis vor Augen geführt, die nach und nach unter der zunehmenden Einwirkung des Menschen schwindet. Die Tier- und Pflanzenwelt muss sich den ständig wechselnden Bedingungen anpassen, einheimische Tierarten wie Wildpferde, Wölfe und Bären werden verdrängt, aber die Natur findet immer wieder Wege, sich in dem neuen Lebensraum zu entfalten.Die Menschen arrangierten sich auf erstaunliche Weise mit ihren größten Nahrungskonkurrenten, den Wölfen: indem sie sie domestizierten. Auf den Winter folgte der Frühling als Epoche der großen Wälder, die an die Stelle von Tundra und Steppe traten. Noch vor wenigen Jahrhunderten hätte ein Eichhörnchen von der Bretagne bis zum Ural von Ast zu Ast hüpfen können.

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(c) Magazin Frankfurt, 2020