Münchner Geschichten

Tscharlie (Günther Maria Halmer) ist ein in die Jahre gekommener Berufsjugendlicher, der bei seiner Oma (Therese Giehse) in München wohnt. Ständig ist er auf der Suche nach dem schnellen Geld - das er weniger durch Arbeit, sondern mit seinen "genialen Einfällen" zu verdienen hofft. Bei seinen diversen Existenzgründungs- und Reichwerde-Versuchen steht ihm unverdrossen sein Kumpel Gustl (Frithjof Vierock) zur Seite. Der macht zwar gerade eine solide Ausbildung, doch eigentlich ist der Tscharlie sein großes Vorbild. Auch Tscharlies Freundin Susi (Michaela Mai) lässt sich durch seine gescheiterten Karriereversuche nicht abschrecken und hegt - zu Tscharlies Entsetzen - sogar Heiratspläne. Die aus neun Episoden bestehenden Vorabendserie von Helmut Dietl und Herbert Vesely des Bayerischen Rundfunks stammt aus dem Jahr 1974 und sind in einem zum Untergang verurteilten kleinbürgerlichen Münchner Milieu im Lehel angesiedelt, wo sich die Moderne, Hand in Hand mit der Schickeria schon breit gemacht hat. Oma Anna reagiert darauf mit einer Mischung aus lakonischem Humor und gesundem Misstrauen, während Karl alias Tscharlie, sich den geänderten Bedingungen mit geringem Erfolg anzupassen versucht.

Im Münchner Fasching gibt Tscharli den Zorro und verlängert gemeinsam mit seinen Freunden Gustl und Achmed (Towje Kleiner) seinen großen Traum von der Freiheit über ein ganzes Wochenende. Ein Feuer an der Isar und der Ritt über die Leopoldstraße bringen Konflikte mit der Polizei und nach einer Schlägerei in einem Spielsalon erwachen die Westernhelden in der Zelle. Bei "Geschäft ist Geschäft" will Tscharlie ins Jeansgeschäft einsteigen. Für den Kredit seiner süßen Susi bestehen deren Eltern allerdings auf baldige Heirat. Tscharlie versucht, sich mit einem Vertrag mit dem Spieler Max aus der Affaire zu ziehen. Bei der letzten Episode "Ois is anders" der detailgetreuen und vor politischer Unkorrektheit nur so strotzenden Serie stehen die Zeichen auf Veränderung, denn Oma muss ins Altersheim, Susi wird bald einen anderen heiraten und Gustl hat kaum noch Zeit. Beide beginnen ihr bürgerliches Leben, während Tscharlie wieder einmal das ist, was er immer sein wollte: frei!

(c) Magazin Frankfurt, 2020