Ich und Kaminski

Mit kleineren Gelegenheitsaufträgen schlägt sich Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) nach seinem Kunstgeschichtsstudium so durch, aber nun hat er einen ganz großen Fisch an der Angel: Er will die Biografie des Malers Manuel Kaminski (Jesper Christensen) schreiben, der einst von Matisse gefördert wurde und mit Picasso befreundet war und dank einer Ausstellung, seiner charakteristischen dunklen Brille und der aufsehenerregenden Bildunterschrift "Painted by a blind man" eine Zeit lang weltberühmt war. Inzwischen lebt Kaminski abgeschieden in den Schweizer Alpen und ist etwas in Vergessenheit geraten. Soll die geplante Biografie noch rechtzeitig zu seinem Ableben fertig werden – und dieses Ereignis lässt natürlich größere Aufmerksamkeit erwarten – dann ist Eile geboten. Zöllner, der zunächst mit alten Freunden und Feinden, mit Sammlern und Galeristen gesprochen hat, macht sich, als seine Freundin Elke (Jördis Triebel), in deren schicker Wohnung er sich eingenistet hatte, ihn vor die Tür setzt, auf den Weg zu dem in die Jahre gekommenen Künstler, um exklusive O-Töne zu bekommen. Als es dem Biografen trickreich gelingt, Kaminskis wachsame Tochter und Vertraute Miriam (Amira Cassar) loszuwerden und den Maler auf eine tagelange Reise im Auto zu dessen totgeglaubter früheren Geliebten Therese (Geraldine Chaplin) mitzunehmen, erkennt er, dass er dem Alten, blind oder auch nicht, in keiner Weise gewachsen ist.

Oscar Wilde, der bekannt für seine bissigen Bonmots war, sagte einst „das Leben ahmt die Kunst weit mehr nach als die Kunst das Leben“. Wolfgang Becker, dessen Kultfilm "Good Bye, Lenin!" einst das Volk zum Lachen und Nachdenken brachte knüpft in seiner Satire auf die Welt der Kunst nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann daran an. Leben und Kunst, Kunst und Leben werden darin schön präsentiert und wenn Sebastian Zöllner sich wie der Elefant im Porzellanladen von jeglichem Fachwissen scheinbar unbeleckt durch das mit Kunstvollgestopfte Büro des Kunsthändlers Bogovic (Stefan Kurt) bewegt, muss der Kunstkenner mehr als Schmunzeln. Sympathie kann er damit nicht erlangen, wenngleich ihn der greise und weise Künstler schlussendlich bei allem süffisant-ironischen Schlagabtausch durchaus gewogen ist.

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(c) Magazin Frankfurt, 2020