Das Märchen der Märchen

Regisseur Matteo Garrone hat sich hier inspirieren lassen vom „Pentameron“ des neapolitianischen Barockdichters Giambattista Basiles. Mit gewaltigen Bildern und einem großartigen Cast in Szene gesetzt, sorgte der Film schon bei seiner Weltpremiere beim Wettbewerb in Cannes für Furore, denn alles scheint möglich in den magischen Wäldern und weiten Ebenen dieser märchenhaften Gebirgslandschaft, in der sich gleich drei Königreiche finden – drei Königreiche, deren Burgen und Schlösser sich erheben über ihr Land und die in trauter Eintracht nebeneinander existieren. Ihre Herrscher mögen allen Reichtum der Welt besitzen, doch sie sind insgeheim unglücklich und unzufrieden mit der Situation.

Garrone erzählt drei märchenhafte Geschichten zwischen Faszination und Erschrecken, die in drei verschiedenen Königreichen spielen. Dort tragen sich ebenso faszinierende wie groteske Geschehnisse zu. Die niedergeschlagene Königin von Longtrellis (Salma Hayek) sehnt sich verzweifelt nach einem Erben, was schließlich ihrem Mann (John C. Reilly) zu verzweifelten Taten greifen läßt, die ihm schließlich das Leben kosten. Im Königreich Strongcliff hingegen weckt die geheimnisvolle Dora mit ihrem Gesang die Leidenschaft des sexsüchtigen Herrschers (Vincent Cassel), vor dem keine Frau in seinem Reich sicher ist. Am 10. März 2016 kommt der Film als DVD und Blu-ray in die Regale.

Da Dora aber hässlich und alt ist und die Reaktion des Königs fürchtet, willigt sie auf ein Treffen nur bei totaler Finsternis ein. Als der König sie am Morgen sieht setzt er mit seiner Wut verheerende Ereignisse in Gang. Der König von Highhills (Toby Jones) ist derweil von seinem riesenhaften Floh derart besessen, dass er darüber nach dem Tod seiner Frau seine eigene Tochter Fenizia (Jessie Cave) vernachlässigt, auf die eine waschechte Überraschung wartet. Die Geschicke der drei Königreiche sind magisch miteinander verknüpft, die Geschichten verweben das Wunderschöne mit dem Grotesken und schaffen so atemberaubendes und einzigartiges Fantasy-Kino.

Der Film erinnert an wie ein Mix aus Tausendundeiner Nacht und Grimms Märchen. Mit seinem Brillanten Mafiadrama „Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra“ hat Garrone 2008 die Medien und das Publikum begeistert. Große Aktualität kann man der jetzt vorgelegten Märchensammlung zwar nicht bescheinigen, doch gelingt es dem Regisseur Moral hinter diesen merkwürdigen und oftmals berührenden Geschichten phantasievoll in Szene zu setzen.

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(c) Magazin Frankfurt, 2020