Mercadante, I Briganti

Zu Lebzeiten galt der aus Altamura bei Bari stammende Saverio Mercadante neben Rossini, Bellini und Donizetti zu den bedeutendsten Opernkomponisten. Allein zwischen 1818 und 1823 lieferte er im Vierteljahresrhythmus neue Opern ab, die in ganz Italien und oft auch im Ausland oft jahrelang nach ihrer Uraufführung gespielt wurden. Zehn Jahre nach seinem Tod begann sein Glanz zu verblassen und seine Opern tauchten kaum noch auf den Spielplänen der Opernhäuser auf. Seit etwa 1970 werden sie besonders bei den auf selten aufgeführte italienische Opern spezialisierten Opernhäusern und Festspielen wie Martina Franca, Rossini in Wildbad oder Wexford wieder vermehrt gespielt. Und das ist gut so, denn seine Werke trugen maßgeblich zur Entwicklung vom Bel Canto zum eigentlichen Musikdrama bei. Sein 1836 in Paris uraufgeführte Operntragödie „I Briganti“, die auf Schillers "Die Räuber" basiert, war eine Herausforderung und musikalische Antwort auf Bellinis „I Puritani“, die ein Jahr zuvor Premiere hatten. Sein sehr eigener Stil des „canto fiorito“ und die einzigartige musikalisch­theatralische Arbeitsweise bereiteten Verdi den Weg und zeigen, dass Oper nicht nur eine Abfolge von virtuosen Arien ist. Die New York Times bezeichnete diese Produktion, die 2012 für das Schwarzwälder Musikfestival "Rossini in Wildbad" auf der Grundlage einer neuen kritischen Edition entstand, als „herausragend“. Geleitet wird die Aufnahme von Antonino Fogliani, dem muiskalsichen Leiter des Festivals. Eine gelungene und großartige Wiederentdeckung einer völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Oper des 19. Jahrhunderts, der hoffentlich noch weitere folgen werden.

(c) Magazin Frankfurt, 2018