Beethoven, Piano Trios, Boulanger Trio

„Unwiderstehlich“ bezeichnete Die Welt eine Aufführung des Boulanger Trios, und Wolfgang Rihm schrieb in einem Brief: „So interpretiert zu werden, ist wohl für jeden Komponisten ein Wunschtraum.“ Karla Haltenwanger (Klavier), Birgit Erz (Violine) und Ilona Kindt (Violoncello) gründeten ihr Trio, das sie nach den Schwestern Nadia und Lil Boulanger benannten, die ihnen durch ihre außergewöhnlichen Persönlichkeiten und kompromisslosen Einsatz für die Musik bis heute eine große Inspirationsquelle sind, im Jahr 2006 in Hamburg. Heute hat es seine Basis in Berlin. Wichtige Lehrer und Mentoren waren Hatto Beyerle, Menahem Pressler und Alfred Brendel.

Die Anfangszeiten sind vorüber, mittlerweile haben die drei Musikerinnen einen ausgezeichneten Ruf in der Kammermusikszene erspielt und sind bei den Festivals gern gesehene Gäste, die auch regelmäßig auf bedeutenden Bühnen wie dem Konzerthaus Berlin, Festspielhaus Baden-Baden, Palais des Beaux Arts Brüssel, in der Wigmore Hall London sowie der Berliner Philharmonie zu hören sind.

Jetzt brachten sie ein neues Album mit Klaviertrios Beethovens auf den Markt. Das Klaviertrio basiert weniger auf der Triosonate als auf der streicherbegleiteten Klaviersonate. Das wundert nicht bei Ludwig van Beethoven, der selbst ein ausgezeichneter Klaviervirtuose war. Dennoch überrascht es den Hörer vielleicht, dass es ihm gelungen war, die drei Instrumente voneinander zu emanzipieren und besonders das Cello von der Basslinie des Klavierparts abzukoppeln.

Ein genialer Wurf des damals 25-jährigen Beethoven, der seine Kräfte mit denen seines Lehrers Haydn messen wollte. Beethoven obsiegte und kann den Höhepunkt der Gattung für sich beanspruchen. „Was die Stärke des Boulanger Trios ausmacht, ist eine spürbare Komplexität, die sich in dem wundervoll funktionierenden und in sich stimmigen Ensemble voll auswirken kann. Derart überzeugende Interpreten findet man selten.“ schreiben die Kollegen von Pizzicato. Dem können wir zustimmen und raten dem Leser zum Kauf.

(c) Magazin Frankfurt, 2017