Liksom, Abteil Nr. 6

2014 ist Finnland Gastland der Frankfurter Buchmesse. Ein guter Grund sich näher mit dem Land im Norden Europas und dessen Literatur zu beschäftigen. Uns ist dabei der Roman von Rosa Liksom aus dem letzten Jahr in die Hände gefallen. Die 1958 in Nordfinnland geborene Schriftstellerin hat lange Zeit im Ausland u.a. in der Sowjetunion, den USA und Dänemark verbracht und lebt heute in der finnischen Hauptstadt Helsinki. Die studierte Anthropologin arbeitete dabei in den unterschiedlichsten Jobs und brachte ihren ersten Band 1985 mit Kurzgeschichten auf den Markt, der in viele Sprachen übersetzt wurde. Ihr erster Roman "Crazeland" erschien 1999 auch auf Deutsch erschienen.

Ihr vorliegendes Buch ist der dritte Roman der Autorin und wurde 2011 mit dem Finlandia-Preis, dem wichtigsten Literaturpreis ihrer Heimat ausgezeichnet. Mit 100.000 verkauften Exemplaren in Finnland wurde er dort ein Bestseller. Neben der Literatur malt Rosa Liksom und macht Comics und Kurzfilme.

In Abteil Nr. 6 geht es mit Wodka, Knoblauch und einem Ex-Knacki durch die Weiten Sibiriens. Draußen vor dem Zugfenster ziehen die unendlichen Weiten Sibiriens vorbei, drinnen im Abteil Nr. 6 ist es beklemmend eng. Die finnische Archäologiestudentin sitzt nur eine Armeslänge entfernt von einem mit allen schmutzigen Wassern gewaschenen Russen, und aus der erhofften beschaulichen Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn wird ein Höllentrip.

Eine Woche, in der sie notgedrungen schweigt, denn er reißt vulgäre Witze und erzählt von Vergewaltigungen, Schlägereien und dem Mord, für den er im Gefängnis saß. Je mehr Wodka er trinkt, desto krasser werden die Geschichten, denen die junge Frau ausgeliefert ist. Und doch entwickelt er echte Fürsorge für seine Mitreisende, teilt mit ihr Salzgurken, Zwiebeln und Schwarzbrot – bis er ihr das Wertvollste schenkt, das er besitzt: das Messer, mit dem er einen Menschen erstochen hat. Rosa Liksom erzählt in diesem Kammerspiel die Geschichte einer schonungslosen Freundschaft – ein preisgekrönter Roman, der wie russische Spezialitäten das Süße, Saure und Salzige kombiniert. Wir finden: Unbedingt lesenswert!

(c) Magazin Frankfurt, 2018